In jüngster Zeit sind Handwerk und handwerkliche Gestaltung wieder zu einem aktuellen, beliebten Thema geworden. Überall entstehen „FabLabs“ und „Coworking Spaces”, und viele – vor allem junge – Menschen spüren den Wunsch, „etwas mit den Händen“ zu machen. Handwerk ist wieder wichtig geworden – und dennoch fehlt ein differenziertes Bild des Wissens über Handwerksarbeit. Diesem Thema widmet sich das gemeinsame Forschungsprojekt der New Design University und des Instituts für Soziologie der Universität Wien. Unter der Leitung von Stefan Moritsch, der an der New Design University für das Bachelorstudium “ Design, Handwerk & materielle Kultur“ verantwortlich zeichnet, untersucht das Projekt die Fragestellung „Wie kann handwerkliches Wissen aus der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts Anschluss an die sich verändernde Lebens- und Arbeitswelt des 21. Jahrhunderts finden?“ Welche Wissensbestände, Kompetenzen, Bildungs- und Berufsbiographien zeichnen HandwerkerInnen, die in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts beruflich aktiv waren, aus? Wie geben sie ihr Wissen an die nächste Generation junger HandwerkerInnen, KreativberuflerInnen und produzierender GestalterInnen weiter?

Erfolgreiche interdisziplinäre Kooperation
Das vom Wissenschaftsfonds des Landes Niederösterreich finanzierte Forschungsvorhaben teilt sich in zwei Phasen und zwei zeitlich-historische Sphären: das 20. und das 21. Jahrhundert. Die erste Phase wurde im Oktober 2016 abgeschlossen, die zweite dauert bis August 2017. Am Forschungsprojekt sind Studierende und Lehrende des NDU-Studiengangs „Design, Handwerk & materielle Kultur“ aktiv beteiligt: Die Studierenden wurden mit der Durchführung der autobiografisch-narrativen Interviews beauftragt, während die SoziologInnen der Universität Wien mit deren Auswertung beteiligt sind. „Practice Based Research – Manual & Material Culture“ dient damit als best-practice Beispiel für weitere inter- und transdiziplinäre Forschungskooperationen der NDU, die künstlerische und wissenschaftliche Forschungsinteressen und Fakultäten verbinden.

Neben der Kooperation mit einer öffentlichen Universität ist der New Design University vor allem die Anknüpfung des Forschungsprojekts an das Bachelorstudium „Design, Handwerk & materielle Kultur“ ein besonders wichtiges Anliegen. „DesignerInnen sind an sich weder KünstlerInnen noch WissenschaftlerInnen. Sie sollten aber dazu in der Lage sein, sowohl künstlerische als auch wissenschaftliche Methoden in ihre Arbeitsweisen zu integrieren und mit ExpertInnen unterschiedlichster Felder zusammenarbeiten zu können,“ sagt Projekt- und Studiengangsleiter Stefan Moritsch. Bei dem Forschungsprojekt gehe es unter anderem darum, die Studierenden zu unterstützen, sich „auch solche Disziplinen zu erschließen, in denen ihnen die Expertise fehlt. Dieses Wissen können Sie jedoch durch Einbindung von Fachleuten unterschiedlichster Felder nutzen und ihren Methodenkatalog dadurch erweitern“, so Moritsch.

Key Facts
Projekttitel:
Practice based Research – Manual & Material Culture, Phase 1+2

Projektleiter:
Univ.Prof.(NDU) Mag. Hans Stefan Moritsch, New Design University St. Pölten
Mag. Annna Wanka, Institut für Soziologie der Universität Wien

Wissensschaftliche Mitarbeiterin:
Julia Pintsuk-Christof, M.A.

Dauer:
März 2014 – August 2017

Studium:
Design, Handwerk & materielle Kultur (BA)

Finanzierungsgeber:
Wissenschaftsfonds des Landes NÖ