Mit Beginn des Wintersemesters 2026/27 wurden zwei Lehrstühle an der Fakultät für Theologie der Katholischen Privat-Universität Linz neu besetzt: Seit 1. Oktober 20226 ist Isabella Bruckner Universitätsprofessorin der Dogmatik und Ökumenischen Theologie sowie Leiterin des Instituts für Fundamentaltheologie und Dogmatik, Michael Pfister ist Professor für Kirchengeschichte und Patrologie sowie Leiter des gleichnamigen Instituts.
Univ.-Prof.in Dr.in Isabella Bruckner
Isabella Bruckner, geboren in Niederösterreich, studierte Katholische Fachtheologie an der Universität Wien und war dort als Assistentin für die interdisziplinäre Forschungsplattform „Religion and Transformation in Contemporary European Society“ (RaT) tätig. Ihr an der Karl-Franzens-Universität Graz begonnenes Doktoratsstudium schloss sie an der KU Linz mit der Dissertation Gesten des Begehrens. Mystik und Gebet im Ausgang von Michel de Certeau ab. 2022 wurde sie dafür mit dem Karl-Rahner-Preis ausgezeichnet.
Im Oktober 2022 erfolgte die Berufung als Professorin für Christliches Denken und spirituelle Praxis an das Pontificio Ateneo Sant’Anselmo in Rom, wo Bruckner vielfältige Aktivitäten im Bereich der Forschung und Third Mission entfaltete und u.a. eine internationale und interkonfessionelle Gruppe von Exzellenzstipendiat:innen leitete; daneben war sie Gastdozentin am Pontificio istituto Giovanni Paolo II sowie Lehrende beim Theologischen Studienjahr in Jerusalem. Zuletzt war sie von April bis September 2026 Akademische Rätin für Dogmatik an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg.
Isabella Bruckners interdisziplinärer theologischer Ansatz und ein die Fachgrenzen überschreitender internationaler Austausch zeigen sich etwa in ihrem RaT-Research Fellowship an der Universität Wien sowie ihrer Mitgliedschaft am Zentrum Religion, Kultur, Gesellschaft im Wandel (ZRKG) der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt. Seit Sommer 2026 ist sie Teil des Redaktionsbeirats der renommierten Zeitschrift Geist und Leben. Mit zahlreichen Publikationen und Vorträgen auf Deutsch, Englisch und Italienisch sowie mit von ihr konzipierten wissenschaftlichen Veranstaltungen ist sie in der Scientific Community als Diskurspartnerin und Impulsgeberin präsent, zudem engagiert sie sich seit vielen Jahren in der theologischen Erwachsenenbildung, in der Ökumene und in der geistlichen Begleitung.
Arbeits- und Forschungsschwerpunkte von Isabella Bruckner umfassen die Verbindung christlicher Mystik, Kunst und Dogmatik angesichts gegenwärtiger säkularer und interreligiöser Herausforderungen, die theologische und philosophisch-anthropologische Deutung des Phänomens der Geburt und des Lebens sowie die Erschließung des sakramentalen Charakters des Seins. In diesem Kontext befasst sie sich namentlich mit den Tagebüchern und Briefen der 1943 im KZ Auschwitz-Birkenau ermordeten Mystikerin Etty Hillesum. Ihre theologische Arbeit an der KU Linz sieht Isabella Bruckner als Beitrag für kirchliche und spirituelle Aufbrüche in der Diözese Linz, in Österreich und in der Weltkirche.
Als Universitätsprofessorin für Dogmatik und Ökumenische Theologie folgt sie Franz Gruber nach, der die Professur von 2001 bis zu seiner Emeritierung 2025 innehatte.
Univ.-Prof. Dr. Michael Pfister
Michael Pfister, geboren in München, studierte Katholische Theologie, Germanistik und Erziehungswissenschaften an der Ludwig-Maximilians-Universität München und promovierte 2020 an der Universität Münster mit einer Arbeit über Augustin Bea SJ (1881–1968) als Exeget und Rektor des Päpstlichen Bibelinstituts in den 1930er und 1940er Jahren.
Nach Stationen als wissenschaftlicher Mitarbeiter im DFG-Projekt „Kritische Online-Edition der Nuntiaturberichte von Eugenio Pacelli (1917–1929)“ sowie – als Teil des Exzellenzclusters „Religion und Politik“ – bei der Online-Edition zur Entstehung von heiligen Texten durch lehramtliche Entscheidungen der Kirche an der Universität Münster, war Pfister von 2020 bis 2023 Koordinator im Projekt „Aufbruch oder Zusammenbruch? Die katholische Theologie und die Studentenbewegung von 1968“ im Rahmen der DFG-Forschungsgruppe „Katholischsein in der Bundesrepublik Deutschland. Semantiken, Praktiken, Emotionen in der westdeutschen Gesellschaft 1965–1989/90“. Von 2021 bis 2026 hatte er das Amt eines Akademischen Rats am Seminar für Mittlere und Neuere Kirchengeschichte an der Universität Münster inne.
Michael Pfisters Arbeitsschwerpunkt bildet die Kirchengeschichte der Neuzeit, wobei u.a. Themen der Spiritualitäts- und Frömmigkeitsgeschichte der Frühen Neuzeit wie der Moderne einen besonderen Stellenwert einnehmen. Im Rahmen seines Habilitationsprojekts erforscht er aktuell die Rolle Geistlicher Räte im Bistum Freising und im Herzogtum Bayern im Zusammenspiel mit der Römischen Konzilskongregation als Institutionen der Kirchenreform an der Wende vom 16. zum 17. Jahrhundert. Ein weiterer Fokus liegt auf der Theologiegeschichte des 20. Jahrhunderts, der Geschichte der Kirche in der Zwischenkriegszeit und im Dritten Reich, auf Politik und Diplomatie der Päpste und der Römischen Kurie im 20. Jahrhundert sowie auf der Ökumene und dem jüdisch-christlichen Dialog vor dem Zweiten Vatikanischen Konzil.
Pfister hat sich in diesen Feldern nicht zuletzt mit Publikationen, Tagungsbeiträgen und Vorträgen profiliert, in denen etwa das Agieren des Papsttums der 1930er und 1940er Jahre einer Neubewertung unterzogen oder das Verhältnis der Kirche zum Judentum problematisiert wird. Das Interesse für das geschichtliche Geworden-Sein verdeckt dabei aber nicht das Bewusstsein für Probleme der Gegenwart: So war Pfister an der Ausrichtung eines Studientags beteiligt, aus dem die von ihm mitherausgegebene Publikation Der Schatten der Institution. Theologie angesichts sexualisierter Gewalt in der Kirche (2024) hervorging. An der KU Linz will er namentlich die Vielfalt kirchlichen Lebens durch die Jahrhunderte aufzeigen und dadurch zu aktuellen Debatten um Reformen der Kirche beitragen. Ein besonderes Anliegen ist ihm insbesondere die Erschließung historischer Quellenbestände mit digitalen Methoden, um kirchengeschichtliche Themen einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen.
Michael Pfister folgt als Universitätsprofessor für Kirchengeschichte und Patrologie an der KU Linz Ines Weber nach, die die Professur von 2016 bis 2024 bekleidete.
Foto: Univ.-Prof. Dr. Michael Pfister und Univ.-Prof.in Dr.in Isabella Bruckner © KU Linz / Hermine Eder