Die Österreichische Privatuniversitäten Konferenz: Themen und Positionen

29.04.2016

1. Ausgangslage

In der medialen Berichterstattung werden zum Thema österreichische Hochschulen traditionell die staatlichen Universitäten und Fachhochschulen an oberster Stelle genannt. Kernthemen sind dabei wiederholt die mangelhafte Qualität in den Massenfächern sowie der regelmäßige Kampf um die extrem begehrten Studienplätze an den staatlichen Universitäten. Die Diskussionen über Zulassungsbeschränkungen und die allgemeine Unterfinanzierung schaden dem Ansehen österreichischer Universitäten und Fachhochschulen im In- und Ausland. Der eingeschränkte Fokus der Medien zeigt hier deutlich, wie gering der Bekanntheitsgrad der Privatuniversitäten in Österreich ist. Richtet man die Aufmerksamkeit auf das Betätigungsfeld von Privatuniversitäten in anderen Ländern, so wird erkennbar, dass sie vor allem in den USA und England eine wesentlich bedeutendere Rolle spielen.
Einer Privatuniverstität in Österreich dürfen keine geldwerte Leistungen des Bundes zuerkannt werden (§ 5 PUG). Dieses Finanzierungsverbot des Bundes ist ein wesentliches Merkmal der Privatuniversitäten und gepaart mit der teilweise sehr hohen Selbstfinanzierungsanteil der Studierenden die Ursache dafür, weshalb Privatuniversitäten einen wichtigen Beitrag zur Entlastung des Staates und des Solidarwesens leisten.
Die Österreichische Privatuniversitätenkonferenz (ÖPUK), der Zusammen- schluss aller akkreditieren Privatuniversitäten Österreichs, hat umfangreiche Erfahrungen bezüglich alternativer Formen der Finanzierung von Universitäten. Im Interesse einer insgesamt positiven Hochschulentwicklung in Österreich ist es Ziel der ÖPUK, die Öffentlichkeit über das Angebot und die Vorteile, aber auch über die Probleme, mit denen Privatuniversitäten konfrontiert sind, zu informieren.

2. Entwicklung

In Österreich gibt es derzeit 12 Privatuniversitäten, die seit 2000 in mehr als 150 Studiengängen ein vielfältiges akademisches Programm anbieten. Die Finanzierung der Privatuniversitäten erfolgt dabei sehr unterschiedlich. Zum Einen gibt es Privatuniversitäten die ihren Betrieb ausschließlich aus Zuwendungen finanzieren. Die Entwicklungschancen und Anliegen dieser Privatuniversitäten sind oft sehr ähnlich wie die der staatlichen Universitäten. Zum Anderen gibt es Privatuniversitäten die sich überwiegend bis ausschließlich aus Studiengebühren finanzieren und die aufgrund ihrer Finanzierungsform von den nationalen und internationalen Wettbewerbs- bedingungen sehr abhängig sind.

In den letzten 5 Studienjahren verzeichneten die Privatuniversitäten mit +61% die höchste Zuwachsrate innerhalb der drei Hochschulsektoren; auch im Studienjahr 2015/16 konnte wieder ein starker Anstieg (+9,8%) registriert und der Marktanteil weiter ausgebaut werden. Insgesamt absolvieren derzeit zwar nur 2,8% der Studierenden ein Studium an einer Privatuniversität (10.200), betrachtet man aber den Anteil der internationalen Studierenden, so ist dieser an den Privatuniversitäten mit 39% deutlich höher als an den Fachhochschulen und staatlichen Universitäten. Dies zeigt in bemerkenswerter Weise, dass Privatuniversitäten einen wesentlichen Beitrag zum österreichischen Know- How-Export leisten und ein Aushängeschild des Wissenschaftsstandorts Österreich sind.
Die Privatuniversitäten bieten eine Alternative zu den staatlichen Universitäten an. Die Meldungen über schlechte Betreuungsverhältnisse, Massenabfertigungen, unverhältnismäßig lange Studienzeiten, sowie die Diskussionen über Bevorzugung österreichischer Studierenden durch Quotenregelungen schaden der traditionell internationalen Ausrichtung von Hochschulen und gefährden die bisher gute Reputation traditionsreicher Universitäten in Österreich.
Bei der Qualitätssicherung zeigen Privatuniversitäten in vielerlei Hinsicht ein wegweisendes Profil: sie zeichnen sich nicht nur durch ihr hochwertiges serviceorientiertes Angebot und persönliche und individuelle Betreuung aus, sondern auch durch ihre Offenheit und, damit verbunden, die hervorragenden Rekrutierungsmöglichkeiten unter den besten Studierenden und wissenschaftlichen MitarbeiterInnen. Die verpflichtende Akkreditierung und regelmäßig wiederkehrende Reakkreditierung der Privatuniversitäten ist ein wesentliches Unterscheidungsmerkmal zu staatlichen Universitäten.

3. Leitbild

Die österreichischen Privatuniversitäten bieten ihren Studierenden innovative und hochqualitative universitäre Ausbildungen und gestalten den nationalen und internationalen Kunst- und Forschungsraum mit.
Die österreichischen Privatuniversitäten ermöglichen ihren Studierenden eine persönliche und individuelle Betreuung auf höchstem Niveau. Eine kontinuierliche interne und externe Evaluierung von Lehre, Forschung und Erschließung der Künste ermöglicht die bestmögliche Weiterentwicklung derselben. Privatuniversitäten bilden markt- und bedarfsorientiert in zukunfts- weisenden Fachbereichen aus, allerdings nicht ohne den Studierenden auch einen weiten Bildungshorizont zu eröffnen. Das gewährt den AbsolventInnen die besten Chancen am Arbeitsmarkt.

4. Wichtige Ziele und Forderungen der ÖPUK im Überblick
  • Die Erhöhung der Bekanntheitsgrades des privatuniversitären Sektors in der Öffentlichkeit
  • Eine quantitative Steigerung der Bedeutung des Sektors
  • Verbesserung der nationalen Rahmenbedingungen für Privatuniversitäten,

u.a. durch folgende Maßnahmen:

  1. Staatliche Universitäten und Fachhochschulen sollen für ihr kostenpflichtige Studienangebote eigene Rechtsträger gründen und die selben Anforderungen wie Privatuniversitäten erfüllen. Die von staatlichen Universitäten und Fachhochschulen sowie der Universität für Weiterbildung Krems angebotenen kostenpflichtigen Studienprogramme sollen denselben strengen Qualitätssicherungs- bestimmungen (HS-QSG) wie Privatuniversitäten unterliegen. Das Bundesfinanzierungsverbot (§5 PUG) für diese kostenpflichtigen Studienprogramme soll analog angewendet werden. Organisations- einheiten oder Tochtergesellschaften von staatlichen Universitäten und Fachhochschulen die kostenpflichtige Studienprogramme anbieten sollen ebenfalls den selben strengen Richtlinien wie Privatuniversitäten unterliegen. Die Universität für Weiterbildung Krems und das Austrian Institute of Science and Technology (IST) sollen den rechtlichen Bestimmungen einer staatlichen Universität oder einer Privatuniversität eindeutig zugeordnet werden.
  2. Die strengen Qualitätsanforderungen für Privatuniversitäten haben auch für Bildungsangebote nach § 27 HS-QSG zu gelten. Insbesondere soll der Nachweis wissenschaftlicher Forschung im Rahmen der Studienprogramme erbracht werden und die Anerkennungs- und Anrechungspolitik von Bildungsangeboten nach § 27 HS-QSG den Qualitätsansprüchen internationaler Spitzenuniversitäten unterliegen.
  3. Die Qualitätsrichtlinien aller Hochschulsektoren sollen weiter ausgebaut werden. Verbesserungspotential besteht vorrangig in den Bereichen Betreuungsverhältnis, sektorale Erwartungen an das Lehrdeputat von HochschulmitarbeiterInnen und den Richtlinien zur Anerkennung und Anrechnung von praktischer Erfahrung und an anderen Hochschulen erworbenen Leistungen. Offene Fragen der Qualitätssicherung bei Hochschulen die Leistungen an mehreren Standorten anbieten, sind zu klären. Privatuniversitäten sollen, wie Fachhochschulen, in der Lage sein praxisorientierte (angewandte forschungsorientierte) Hochschul- studiengänge anzubieten. Für diese Studiengänge sollen die selben (einfacheren) Bedingungen wie für Fachhochschulen zur Anwendung kommen. Die Akkreditierung von Studienprogrammen soll für Privat- universitäten mit einer Akkreditierungsperiode von mehr als 12 Jahren als ein „Nicht-Untersagungsverfahren“ organisiert sein.
  4. Die ÖPUK unterstützt eine Differenzierung nach Teilsystemen im Wissenschaftssystem. Hochschulen sollen aber, unter bestimmten Voraussetzungen, ermächtigt werden, ihre grundlegende Zielsetzung und den Hochschultyp zu ändern.
  5. Studierende an Privatuniversitäten sollen Matrikelnummern analog zu
    den staatlichen Universitäten bekommen (Studierende an Privatuniversitäten fühlen sich derzeit nicht voll anerkannt und haben bei Stipendienansuchen häufig Schwierigkeiten, weil sie keine behördlich anerkannte Matrikelnummern besitzen). Darüber hinaus gebietet auch die Aufnahme der Studierenden an Privatuniversitäten in die ÖH diesen Schritt.
  6. Studierende an Privatuniversitäten sollen dieselben Fördermöglich- keiten wie Studierende an staatlichen Hochschulen erhalten. Das Stipendienangebot des Bundes ist weiter auszubauen wobei bei der Vergabe der Stipendien vorrangig auf die Bedürftigkeit der Bewer- berInnen Rücksicht genommen werden soll.
  7. Abschaffung der verbindlichen Bezeichnung „Privatuniversität“ in der Namensgebung der Universität und in der Berufsbezeichnung ihrer MitarbeiterInnen (§ 2 Abs. 4 und § 4 Abs. 3 PUG). Beispiel: Problem §56c UrhRG „Schulen und Universitäten dürfen für Zwecke des Unterrichts beziehungsweise der Lehre in dem dadurch gerechtfertigten Umfang Werke der Filmkunst und die damit verbundenen Werke der Tonkunst öffentlich aufführen.“ – es ist unklar ob diese Bestimmung auch für Privatuniversitäten gilt.
  8. Die Studienzulassungsprüfung an Privatuniversitäten soll auch für eine Zulassung zu dem entsprechenden Fach an einer staatlichen Universität gelten (wie das vice versa der Fall ist).
  9. Eine Stärkung der Mitbestimmungsrechte österreichischer Privat- universitäten (z.B. Gleicher Stimmenanteil in der Generalversammlung der AQ Austria und in der österreichischen Hochschulkonferenz wie staatliche Universitäten).
  10. Die Förderung von Kooperationen zwischen privaten und staatliche Universitäten (z.B. Doktoratskollegs).
  11. Ein Abbau von bürokratischen Hürden bei Einreiseverfahren und Verbesserung der Beschäftigungsmöglichkeiten für Nicht-EU- Studierende an österreichischen Privatuniversitäten.
5. Positionen und Forderungen im Detail

5.1 Wettbewerbsverzerrungen im österreichischen Hochschulsektor

Ein Spannungsfeld von zunehmender Problematik ergibt sich, wenn staatliche Universitäten über die in § 91 (1-6) UG 2002 geregelten Möglichkeiten hinausgehende kostenpflichtige Studienprogramme anbieten und damit in ein unmittelbares Konkurrenzverhältnis zu Privatuniversitäten treten. Ein markanter Unterschied ergibt sich aus der Tatsache, dass staatliche Universitäten bei diesen Studienprogrammen nicht denselben Qualitätssicherungsanforderungen wie Privatuniversitäten unterliegen. Einerseits verschwimmt hier oft die Grenze zwischen staatlichen Bildungsauftrag, Bundesfinanzierung und privatwirtschaftlichem Engagement von bundesfinanzierten MitarbeiterInnen einer Universität.
Ähnliches gilt für die kostenpflichtigen Weiterbildungsprogramme, die von Fachhochschulen und der Universität für Weiterbildung Krems angeboten werden, und die den weniger strengen Auditbestimmungen des HS-QSG unterliegen. Als österreichisches Kuriosum ist die Universität für Weiterbildung Krems hervorzuheben, für die ein Sammelsurium verschiedener gesetzlicher Bestimmungen zur Anwendung kommt.
Im Sinne der Qualitätsentwicklung und der Entwicklung fairer Wettbewerbs- bedingungen sollen kostenpflichtige Studienangebote staatlicher Universitäten, Fachhochschulen und der Universität für Weiterbildung Krems den selben strengen Akkreditierungsvoraussetzungen und Evaluierungsrichtlinien wie Privatuniversitäten unterliegen.
Die Privatuniversitäten, die ihrerseits einem Finanzierungsverbot des Bundes unterliegen, fordern, dass staatliche Universitäten, die Universität für Weiterbildung Krems und Fachhochschulen, die kostenpflichtige Studienangebote anbieten, für diesen Teil ihres Studienangebots, idealerweise in Form eines eigenständigen Rechtsträgers organisiert, denselben strengen Akkreditierungsbestimmungen und Evaluierungsricht- linien wie Privatuniversitäten unterliegen sollen. Die Universität für Weiterbildung Krems soll dem Sektor der staatlichen Universitäten oder dem Sektor der Privatuniversitäten zugordnet werden.
Dies wäre auch im Sinne des Konsumentenschutzes.

5.2 Maßnahmen gegen die Tertiärisierung post-sekundärer Bildungsangebote durch internationale Kooperationen

Viele Privatuniversitäten stehen zunehmend im Wettbewerb mit öster- reichischen Bildungseinrichtungen im Bereich der post-sekundären Bildungs- angebote, die in Kooperation mit ausländischen Universitäten kostenpflichtige Studienprogramme anbieten. Durch eine in Österreich gesetzlich nicht geregelte Anerkennungs- und Anrechungspolitik dieser Bildungseinrichtungen beobachten wir dort eine bisher noch nie da gewesene Tertiärisierung post- sekundärer Bildungsangebote. Bedauerlicherweise gab es bisher in Österreich keine Institution, welche die Tätigkeit dieser Organisationen evaluierte und bei Vorliegen grober Qualitätsmängel untersagte. Ein weiterer erschwerender Faktor ist dadurch gegeben, dass Kooperationen mit Bildungseinrichtungen in anderen EU-Ländern nicht dem österreichischen Akkreditierungsrecht unterliegen. Dies führt dazu, dass angesehene ausländische Bildungs- einrichtungen die hohen Qualitätsansprüche ihres eigenen Landes bei Kooperationen mit österreichischen Bildungsanbietern nicht anwenden.
Der Mangel an Gleichwertigkeit mit österreichischen Studien der von inländischen post-sekundären Bildungsanbietern mit ausländischen Kooperationspartnern angebotenen Programme sind der Öffentlichkeit zu wenig bekannt und führen häufig zu einer Vielzahl von Missverständnissen und Enttäuschungen bei AbsolventInnen dieser Bildungseinrichtungen. Dies insbesondere dann, wenn diese anschließend ein Studium an einer anderen österreichischen Universität absolvieren wollen. Häufig werden AbsolventInnen dieser Bildungseinrichtungen bei Masterprogrammen von in Österreich akkreditierten Hochschulen aufgrund der geringen Vorbildung, insbesondere in methodischen Bereichen, nicht zugelassen.
Die ÖPUK kritisiert die Richtlinie zur Umsetzung des Verfahrens zur Meldung grenzüberschreitender Studien (§ 27 Abs. 2 lit. e HS-QSG), die auch die Möglichkeit vorsieht, dass „der gesamte Studiengang bei der antragstellenden Einrichtung durchgeführt wird“ (34 Z 4 lit b der Richtlinie).
Der Begriff „Zusammenarbeit“ impliziert gemeinhin das gemeinsame Wirken in ausgeglichener Form zweier oder mehrerer Partner. Werden Studien ausschließlich von österreichischen Institutionen angeboten – und besteht die Kooperationsleistung von ausländischen Partnern ausschließlich in der Zurverfügungstellung von Abschlüssen – könnte höchstens von „grenz- überschreitenden Abschlüssen“ gesprochen werden. Mit gemeinsamen Studien hat dies jedoch nicht das Geringste zu tun. Die Richtlinie ermöglicht Anbietern solcher „unechten“ Kooperationen faktisch eine Umgehung der Akkreditierungsbestimmungen für Privatuniversitäten. Anstatt ein ungleich aufwändigeres Akkreditierungsverfahren zu durchlaufen, müssen diese Einrichtungen lediglich die wesentlich geringeren Erfordernisse der Richtlinie erfüllen und einen ausländischen Partner finden, der sich zur Titelvergabe ohne inhaltliche Kooperation bereit erklärt, um universitäre Abschlüsse verleihen zu können.
Die ÖPUK fordert für Studien nach § 27 Abs. 2 lit. e, die überwiegend oder ausschliesslich von inländischen Bildungseinrichtungen angeboten werden, die Anwendung der selben strengen Qualitätsrichtlinien wie sie auch für Privatuniversitäten gelten.
Ferner sollte der Zuständigkeitsbereich der Ombudsstelle für Studierende Studierende aller Hochschulen einschließen, die in Österreich Studien- programme anbieten, da gerade Studierende von nicht-akkreditierten Bildungsanbietern Beratung und rechtliche Unterstützung benötigen. Bis es zu einer Umsetzung der geforderten Maßnahmen kommt, sollte mittels einer verstärkten Informationspolitik seitens der AQ Austria und des Wissenschaftsministeriums auf die Risiken jener Studienprogramme, die in Österreich von nicht akkreditierten Bildungsanbietern in Kooperation mit ausländischen Universitäten angeboten werden, deutlich hingewiesen werden.

5.3 Qualitätsentwicklung und -sicherung im Österreichen Hochschulwesen

Die Qualitätsanforderungen des HS-QSG soll im Sinne einer kontinuierlichen Verbesserung des Hochschulangebots in Österreich weiter ausgebaut werden. Die ÖPUK ortet Verbesserungsmöglichkeiten in den Bereichen Betreuungs- verhältnis (Verhältnis Studierende/Stammpersonal, maximale Seminargröße), sektorale Erwartungen an das Lehrdeputat von HochschulmitarbeiterInnen, die Anforderungen an das Forschungsumfeld bei Doktoratsprogrammen und den Richtlinien zur Anerkennungs- und Anrechnungsverfahren von Praxiserfahrung und an anderen Hochschulen erworbene Leistungen. Offene Fragen der Qualitätssicherung bei Hochschulen, die Leistungen an mehreren Standorten anbieten, sind außerdem zu klären.
Die Entwicklung von Richtlinien soll unter Berücksichtigung der sektoralen Unterschiede prinzipiell für staatliche und private Hochschulen gleichermaßen gelten. Um die Wettbewerbsfähigkeit von Privatuniverstitäten zu erhöhen, soll die Akkreditierung von Studienprogrammen für Privatuniversitäten mit einer Akkreditierungsperiode von mehr als 12 Jahren als ein „Nicht- Untersagungsverfahren“ organisiert werden.
Die ÖPUK fordert die Weiterentwicklung der Qualitätssicherung von Hochschulen in Österreich. Eine Novelle des HS-QSG sollte, um Qualitäts- mängel abbauen zu helfen, einheitliche Richtlinien vorrangig in den Bereichen Betreuungsverhältnis, Lehrdeputat und Anerkennungs- und Anrechnungs- politik schaffen, wobei jeweils auf die sektoralen Unterschiede und Zielsetzungen Rücksicht genommen werden soll. Die Akkreditierung von Studienprogrammen soll für Privatuniversitäten mit einer Akkreditierungs- periode von 12 Jahren in Form eines „Nicht-Untersagungsverfahren“ organisiert werden.

5.4 Möglichkeit der Änderung eines Hochschultyps

Die ÖPUK unterstützt eine Differenzierung nach Teilsystemen im Wissen- schaftssystem wie vom Österreichischen Wissenschaftsrat ausgeführt (Jürgen Mittelstraß, „Zum Promotionsrecht“, Hochschulkonferenz Wien, März 2014). Das Ziel einer Fachhochschule soll eine praxis- und berufsnahe Ausbildung sein, in der sich die Lehre an den kurz- und mittelfristigen Bedürfnissen der Wirtschaft orientiert. Die ÖPUK lehnt ein Promotionsrecht für Fachhochschulen ab, da dies der Zielsetzung einer wissenschaftsinformierten praxis- und berufsnahen Ausbildung der Fachhochschulen abträglich wäre. Hochschulen sollen aber, unter bestimmten Voraussetzungen, ermächtigt werden, ihre grundlegende Zielsetzung und den Hochschultyp zu ändern. Auch wenn die ÖPUK eine Aufhebung der systematischen Unterschiede zwischen Universitäten, Fachhochschulen und Privatuniversitäten („Leistungsdifferen- zierung“) ablehnt, so unterstützt sie eine Diskussion wie einzelne Ein- richtungen, unter bestimmten Voraussetzungen, ermächtigt werden könnten, ihre grundlegende Zielsetzung und den Hochschultyp zu ändern.

5.5 Vergabe von Matrikelnummern

Die Organisation der Vergabe von Matrikelnummern an Studierenden österreichischer Privatuniversitäten ist nicht allgemein geregelt. Dies führt zu Problemen bei der nationalen und internationalen Anerkennung von Studienleistungen von Studierenden an österreichischen Privatuniversitäten, insbesondere bei Ansuchen um Stipendien. Durch die Aufnahme der Studierenden an Privatuniversitäten in die ÖH würde darüber hinaus eine Beibehaltung des status quo zu einem erhöhten administrativen Aufwand bei ÖH-Wahlen führen.
Die ÖPUK fordert daher, dass Privatuniversitäten in das System der österreichweiten Vergabe von Matrikelnummern für staatliche Universitäten aufgenommen werden.

5.6 Fördermöglichkeiten von Studierenden an Privatuniversitäten

Das Stipendienangebot des Bundes ist weiter auszubauen wobei bei der Vergabe der Stipendien vorrangig auf die Bedürftigkeit der BewerberInnen Rücksicht genommen werden soll.
Die ÖPUK fordert, dass Studierende an Privatuniversitäten den selben Zugang zu den Studienförderungsmöglichkeiten des Bundes erhalten wie Studierende an Privatuniverstitäten.

5.7 Bezeichnung von Privatuniversitäten

Die Bedingung, dass die Bezeichnung der Privatuniversitäten den Zusatz „Privat“ in der Namensführung der Universität und in den Berufsbezeichnun- gen der MitarbeiterInnen zu führen hat (§ 2 Abs. 4 und § 4 Abs. 3 PUG) ist international unüblich. Die Unterscheidung ist weder aufgrund der Finanzierungsform, noch aufgrund der Qualitätssicherung zu begründen. Es gibt Studienangebote staatlicher Universitäten mit höheren Studiengebühren als an manchen Privatuniversitäten, beide Universitätsformen müssen außerdem grundsätzlich den Qualitätsansprüchen der selben Qualitäts- sicherungeinrichtung (AQ Austria) genügen (Ausnahme HS-QSG § 18 Abs. 1 wonach staatliche Universitäten das Audit auch bei anderen anerkannten Agenturen machen können). Die ÖPUK sieht in der umständlich langen Bezeichnung ihrer Hochschulen einen Wettbewerbsnachteil in der öffentlichen Kommunikation. Die international unübliche Berufsbezeichnung führt bei der Rekrutierung von wissenschaftlichen MitarbeiterInnen zu Mißverständnissen und zu einem erheblichen Wettbewerbsnachteil gegenüber staatlicher Universitäten.
Die ÖPUK fordert daher die Abschaffung der entsprechenden Bestimmungen (§ 2 Abs. 4 und § 4 Abs. 3) im Privatuniversitätengesetz (PUG).

5.8 Studienzugangsprüfung

Eine explizite Ermächtigung der Privatuniversitäten zur Abnahme einer Studienzugangsprüfung analog § 64a UG 2002 gibt es im PUG nicht. Die ÖPUK begrüßt die Entscheidung der AQ Austria, dass Privatuniversitäten berechtigt sind, eine der Studienberechtigungsprüfung vergleichbare Zulassungsprüfung für StudienwerberInnen ohne Matura durchzuführen, wenn das Studium an der betreffenden Privatuniversität erfolgt (Entscheidung v. 3. September 2013).
Fest steht jedoch, dass eine Studienberechtigungsprüfung im Sinne des § 64a UG 2002, also mit der Wirkung einer Zugangsberechtigung zu einem Studium der betreffenden Fächergruppe an allen Universitäten, nach Ansicht der AQ Austria für Privatuniversitäten rechtlich nicht möglich ist. Aus der Sicht der ÖPUK ist dies eine klare Ungleichbehandlung der Privatuniversitäten und widerspricht dem Grundsatz der behördlichen Anerkennung der Leistungen von österreichischen Privatuniversitäten.
Die ÖPUK fordert daher eine diesbezügliche Gleichbehandlung von Privatuniversitäten und die Möglichkeit Studienzulassungsprüfungen mit Zugangsberechtigung zu einem Studium der betreffenden Fächergruppe an allen in Österreich anerkannten Universitäten organisieren zu dürfen und diese Möglichkeit gesetzlich bzw. per Verordnung zu verankern.

5.9 Stärkung der Mitbestimmungsrechte österreichischer Privatuniversitäten

Die Stimmverteilung in der Generalversammlung der AQ Austria ist umgekehrt proportional zu der Bedeutung der Entscheidungen der Akkreditierungs- behörde. Das HS-QSG sieht für Privatuniversitäten sowohl eine institutionelle wie auch eine Studiengangsakkreditierung und -reakkreditierung vor. Die Ergebnisse dieser Evaluierungsverfahren können, im Unterschied zu den Bildungsanbietern des staatlichen Sektors, existenzielle Auswirkungen haben. Die ÖPUK fordert daher eine Erhöhung des Stimmenanteils in der Generalversammlung der AQ Austria und eine Gleichbehandlung aller drei Hochschulsektoren (z.B. 4-4-4 statt 6-4-2).
2014 wurde der Forderung, die ÖPUK in die Österreichischen Hochschul- konferenz (ÖHK) aufzunehmen, um effizient an der Entwicklung des österreichischen Hochschulraumes mitwirken zu können, nachgekommen, was die ÖPUK ausdrücklich begrüßt. Allerding besteht die Kerngruppe der Hochschulkonferenz aus zwei Vertreter/innen des zuständigen Bundesminister- iums, zwei Vertreter/innen der uniko, zwei Vertreter/innen der Fachhochschul- konferenz, eine/m Vertreter/in der Senate, eine/m Vertreter/in des Wissen- schaftsrates, eine/m Vertreter/in der Österreichischen HochschülerInnenschaft und jetzt auch eine/m Vertreter/in der ÖPUK. Es ist aber nicht nachvollziehbar, warum der Sektor der Privatuniversitäten nicht mit der gleichen Stimmen- anzahl wie die anderen Hochschulsektoren vertreten ist.
Die ÖPUK fordert daher auch hier eine Erhöhung des Stimmenanteils, um die Gleichbehandlung aller drei Hochschulsektoren sicherzustellen.

5.10 Abbau der Kooperationshindernisse zwischen Privatuniversitäten und staatlicher Universitäten

Kooperationen zwischen einer staatlichen Universität und einer Privatuniversität in Österreich sind genauso aufwendig wie die Kooperation zwischen einer Privatuniversität und einer im Ausland ansässigen Universität. Gemeinsame Studienangebote sind zwar möglich, erfordern aber den doppelten Aufwand (nicht nur der universitätsinterne Entscheidungsprozess der staatlichen Universität ist notwendig, sondern auch eine Studiengangsakkreditierung der Privatuniversität).
Die ÖPUK fordert daher eine Vereinfachung bei der Entwicklung gemeinsamer Studienangebote. In Abhängigkeit von der Positionierung der Studienangebote als kostenpflichtige oder nicht-kostenpflichtige Programme, soll eine Prüfung in Form einer Studiengangsakkreditierung nach PUG oder in Form einer universitätsinternen Entwicklung nach UG 2002 ausreichend sein.