Die Österreichische Privatuniversitäten Konferenz: Themen und Positionen

29.04.2016
1. Ausgangslage
In der medialen Berichterstattung werden zum Thema österreichische Hochschulen traditionell die staatlichen Universitäten und Fachhochschulen an oberster Stelle genannt. Kernthemen sind dabei wiederholt die mangelhafte Qualität in den Massenfächern sowie der regelmäßige Kampf um die extrem begehrten Studienplätze an den staatlichen Universitäten. Die Diskussionen über Zulassungsbeschränkungen und die allgemeine Unterfinanzierung schaden dem Ansehen österreichischer Universitäten und Fachhochschulen im In- und Ausland. Der eingeschränkte Fokus der Medien zeigt hier deutlich, wie gering der Bekanntheitsgrad der Privatuniversitäten in Österreich ist. Richtet man die Aufmerksamkeit auf das Betätigungsfeld von Privatuniversitäten in anderen Ländern, so wird erkennbar, dass sie vor allem in den USA und England eine wesentlich bedeutendere Rolle spielen.
Einer Privatuniverstität in Österreich dürfen keine geldwerte Leistungen des Bundes zuerkannt werden (§ 5 PUG). Dieses Finanzierungsverbot des Bundes ist ein wesentliches Merkmal der Privatuniversitäten und gepaart mit der teilweise sehr hohen Selbstfinanzierungsanteil der Studierenden die Ursache dafür, weshalb Privatuniversitäten einen wichtigen Beitrag zur Entlastung des Staates und des Solidarwesens leisten.
Die Österreichische Privatuniversitätenkonferenz (ÖPUK), der Zusammen- schluss aller akkreditieren Privatuniversitäten Österreichs, hat umfangreiche Erfahrungen bezüglich alternativer Formen der Finanzierung von Universitäten. Im Interesse einer insgesamt positiven Hochschulentwicklung in Österreich ist es Ziel der ÖPUK, die Öffentlichkeit über das Angebot und die Vorteile, aber auch über die Probleme, mit denen Privatuniversitäten konfrontiert sind, zu informieren.
2. Entwicklung

Vor 20 Jahren, im Jahr 1999, wurde das Bundesgesetz zur Gründung von Privatuniversitäten beschlossen. Seither leisten die Privatuniversitäten einen wichtigen Beitrag zur Diversifizierung und Komplementierung der österreichischen Hochschullandschaft. Der Sektor entwickelt sich laufend erfolgreich weiter: So startete im ersten Halbjahr 2019 die Bertha von Suttner Privatuniversität ihren Studienbetrieb, mit Sommer 2019 wurden die Gustav Mahler Privatuniversität und die Central European University (CEU) offiziell von der AQ Austria als Privatuniversitäten akkreditiert. Dadurch stieg die Gesamtzahl der österreichischen Privatuniversitäten auf nunmehr 16, weitere sind in Planung. Über 18.197 Absolventen und Absolventinnen haben bislang ihren Abschluss an einer Privatuniversität gemacht. Die Statistik des Studienjahres 2018/19 bestätigen einen Zuwachs von rund 7 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Aktuell sind 14.446 Studierende an Privatuniversitäten inskribiert. Die Anzahl der Studierenden aus der EU ist mit 13,4 Prozent am stärksten gestiegen. Die Anzahl der inländischen Studierenden ist um 5,4 Prozent gestiegen.

Das Zusammenführen der Aufgabenbereiche von drei Qualitätssicherungsagenturen im Jahr 2012 hat außerdem zu einem steigenden Bewusstsein über die hohen Qualitätsanforderungen an Privatuniversitäten beigetragen. Zudem hat die Aufnahme der ÖPUK in die Österreichische Hochschulkonferenz eine neue Qualität des Dialogs ermöglicht. Seitdem Privatuniversitäten Zugang zu den kompetitiven Forschungsförderungsprogrammen des Bundes haben, konnten Forscherinnen und Forscher an österreichischen Privatuniversitäten bereits mehrere bemerkenswerte Erfolge erzielen. Darüber hinaus wurden durch die Einbeziehung der Studierenden an Privatuniversitäten in die österreichische Hochschülerschaft (ÖH) sowie durch die Aufnahme der Privatuniversitäten in die Delegiertenversammlung des FWF und in die NQR-Steuerungsgruppe weitere wichtige Schritte für die Entwicklung des privaten Hochschulsektors in Österreich gesetzt.

Europaweit betrachtet gibt es ein breites Spektrum an Privatuniversitäten: Universalistische Privatuniversitäten (ca. 40 Prozent der Studierenden), schwerpunktbezogene Privatuniversitäten (ca. 40 Prozent der Studierenden), spezialisierte Privatuniversitäten (ca. 20 Prozent der Studierenden). Das konkrete Studienangebotsspektrum sowie die Zuschnitte der Privatuniversitäten sind somit ausgesprochen vielfältig. Mittlerweile gehen europaweit rund 7 Prozent aller Universitätsstudierenden an eine Privatuniversität. Rund ein Drittel der Studierenden an Privatuniversitäten hat eine nicht-österreichische Heimatadresse. Geht man also nach der Staatsbürgerschaft, haben die Privatuniversitäten vor allen anderen Hochschultypen mit beinahe 40 Prozent den bei weitem höchsten Anteil an Studierenden mit nicht-österreichischer Staatsbürgerschaft. An vier Privatuniversitäten stammen sogar mehr als die Hälfte der Studierenden aus dem Ausland (Webster Vienna Private University mit 84 Prozent, Danube Private University mit 81 Prozent, Modul University Vienna Privatuniversität mit 69 Prozent sowie die Musik und Kunst Privatuniversität Wien mit 62 Prozent).

 
3. Leitbild
Die österreichischen Privatuniversitäten bieten ihren Studierenden innovative und hochqualitative universitäre Ausbildungen und gestalten den nationalen und internationalen Kunst- und Forschungsraum mit.
Die österreichischen Privatuniversitäten ermöglichen ihren Studierenden eine persönliche und individuelle Betreuung auf höchstem Niveau. Eine kontinuierliche interne und externe Evaluierung von Lehre, Forschung und Erschließung der Künste ermöglicht die bestmögliche Weiterentwicklung derselben. Privatuniversitäten bilden markt- und bedarfsorientiert in zukunfts- weisenden Fachbereichen aus, allerdings nicht ohne den Studierenden auch einen weiten Bildungshorizont zu eröffnen. Das gewährt den AbsolventInnen die besten Chancen am Arbeitsmarkt.
4. Wichtige Ziele und Forderungen der ÖPUK im Überblick
  • Die Erhöhung der Bekanntheitsgrades des privatuniversitären Sektors in der Öffentlichkeit
  • Eine quantitative Steigerung der Bedeutung des Sektors
  • Verbesserung der nationalen Rahmenbedingungen für Privatuniversitäten
5. Positionen und Forderungen im Detail
 
Für die weitere positive Entwicklung der österreichischen Privatuniversitäten sind aus Sicht der ÖPUK zehn Forderungen von besonderer Bedeutung (Stand November 2019):
  1. Die Privatuniversitäten halten die Verbesserung der Rahmenbedingungen bei der Entwicklung von internationalen Angeboten für außerordentlich wichtig. Hier wünscht sich die ÖPUK eine echte Internationalisierungsstrategie der österreichischen Bundesregierung, in der die Anwerbung und Standortbindung von internationalen Studierenden im Zentrum der Bemühungen steht. Die Privatuniversitäten sind bereit, sich den damit verbundenen Herausforderungen zu stellen.
  2. Die Privatuniversitäten fordern faire Wettbewerbsbedingungen, insbesondere im Inland. Die ÖPUK fordert in diesem Zusammenhang dieselben Qualitätssicherungsverfahren für alle Anbieter von Lehrgängen der Weiterbildung, die zu einem akademischen Grad führen und gegen Entgelt angeboten werden. Insbesondere was die Weiterbildungsprogramme (Universitätslehrgänge) betrifft, gibt es in Österreich  qualitätshemmende Wettbewerbsverzerrungen, die beseitigt werden müssen. Die ÖPUK fordert außerdem, dass jene Privatuniversitäten, die zumindest eine Reakkreditierung hinter sich haben, ihre Akkreditierungsagentur – ähnlich wie es bei den öffentlichen Universitäten üblich ist – frei wählen können.
  3. Die ÖPUK fordert mehr Mitspracherechte in wichtigen Gremien. Nach 20-jährigem Bestehen der Privatuniversitäten gibt es in Österreich mittlerweile zahlreiche anerkannte Expertinnen und Experten, die über ein spezielles Wissen über den privaten Hochschulsektor verfügen. Diese Personen sollten bei der Gremienzusammensetzung stärker berücksichtigt werden.
  4. Für die Entwicklung der Privatuniversitäten ist Autonomie eine wichtige Voraussetzung als Innovationskraft des Sektors. Die Gestaltungsfreiheit der Privatuniversitäten ist ein hohes Gut und muss gefördert werden. Akkreditierungsvorgaben betreffend Organisation und Qualitätsmanagement sollten sich daher an den Standards international führender Hochschulen und nicht nur am österreichischen Universitätsgesetz für staatliche Universitäten orientieren.
  5. Die Privatuniversitäten wollen keine generelle Abschaffung des Bundesfinanzierungsverbots, jedoch eine ministerielle Unterstützung ihrer Anliegen gegenüber bildungspolitischen Vertreterinnen und Vertretern in der Europäischen Union. Dazu gibt es zahlreiche Anlässe, so z.B. sollten auch ausländische Hochschulen, die in Österreich Studien gegen Entgelt anbieten, aus Gründen des fairen Wettbewerbs dieselben Akkreditierungsanforderungen wie österreichische Hochschulen erfüllen.
  6. Eine Bewusstseinsbildung bezüglich des gesellschaftlichen und volkswirtschaftlichen Beitrags von Privatuniversitäten sowie der konsequenten Gleichbehandlung der Studierenden aller Hochschulsektoren: Die Privatuniversitäten stellen für die Republik Österreich eine enorme volkswirtschaftliche Entlastung dar. In und für Österreich werden jährlich 15.000 Studierende an Privatuniversitäten ausgebildet, für die der Bund keine Mittel bereitstellen muss! Alleine hinsichtlich des Studiums Humanmedizin erspart sich die Republik Österreich so EUR 50.000 pro Studierendem pro Jahr an Steuergeld.
  7. In diesem Zusammenhang sollte auch die finanzielle Benachteiligung von Studierenden an Privatuniversitäten abgebaut werden, die – im Gegensatz zu Studierenden an staatlichen Hochschulen und Universitäten – keine staatliche Subventionierung für ihr Studium erhalten. Fairer als die einseitige Subventionierung von Studierenden an staatlichen Einrichtungen wäre die Umstellung auf ein „Bildungsscheck-System“: Jeder Studierende erhält eine staatliche Ausbildungsförderung und kann sich dann entscheiden, ob er sein Studium an einer staatlichen oder privaten Institution aufnehmen will. Aus den Ersparnissen, die sich aus der Kosteneffizienz privater Studienangebote ergibt (siehe Punkt 6), könnte die Republik Österreich Stipendien für sozial Bedürftige anbieten, um die soziale Durchmischung im tertiären Bildungssektor insgesamt zu erhöhen.
  8. Die ÖPUK fordert weiteres einen Abbau der steuerlichen und institutionellen Ungleichbehandlung von Privatuniversitäten sowie eine Gleichbehandlung von privaten und staatlichen Universitäten beim Zugang zu öffentlichen Aufträgen und Förderungen, etwa beim Förderprogramm „hochschuleundfamilie“ des Familienministeriums, bei dem Privatuniversitäten von der Förderung ausgeschlossen wurden.
  9. Privatuniversitäten sind wichtiger Partner für Wirtschaft, Forschung und Kultur; sie bilden auf akademischen Niveau Professionals für die vielschichtige Arbeits- und Beschäftigungsmärkte aus. Die Studienprogramme sind breit aufgestellt und orientieren sich auch an der Nachfrage am Arbeits- und Beschäftigungsmarkt. Die ÖPUK fordert eine Anerkennung dieser Leistungen in Form einer Gleichstellung ihrer Absolventen und Absolventinnen, was Berufe mit besonderen Zugangsvoraussetzungen betrifft. Zudem werden Anpassungen von Gesetzen und Verordnungen für Berufsverbände gefordert.
  10. Keine Vermischung von privat- und bundesfinanzierten Hochschulen. Die ÖPUK fordert, dass eine weitere Vermischung von privat -und bundesfinanzierten Hochschulen vermieden und die von der Regierung geplante Einführung privat finanzierter Fachhochschulen analog dem Privatuniversitätengesetz (PUG) organisiert werden soll. Weiteres sollte die neue gesetzliche Regelung für Pflege und Physiotherapie (d.h. die Überlegung, dass nur eine FH-Ausbildung zur Berufsberechtigung führt) zurückgenommen werden.