„Jetzt liegt es an jedem selbst, aus dem doch sehr behüteten System der Paracelsus Universität herauszukommen und ein neues Kapitel aufzuschlagen.“ Es war im Jahr 2008, kurz nach seinem Studienabschluss, als der frischgebackene Doktor der Humanmedizin Christoph Griessenauer diese Parole ausgegeben hatte. Und es war nicht irgendein Studienabschluss gewesen, den der 1983 geborene Leoganger da aufs Parkett gelegt hatte: Griessenauer war als Jahrgangsbester des allerersten Humanmedizin-Jahrgangs in der Geschichte der Paracelsus Uni durchs Ziel gegangen. Sein Notendurchschnitt damals: 1,15.

Angebot aus Alabama
„Ausgezeichnet“ gehe es ihm, berichtet Christoph Griessenauer heute. Und der Paracelsus-Alumnus hat allen Grund dazu. Aber der Reihe nach: Schon während seiner Famulatur auf der Neurochirurgie an der Mayo Clinic in Rochester hatte er wertvolle Kontakte geknüpft. Am Ende wurde dem jungen Österreicher ab Juli 2009 eine Residency, also eine Facharztausbildung zum Neurochirurgen, in Birmingham im US-Bundesstaat Alabama angeboten. Ein durchaus ungewöhnlicher Vorgang, da Facharztstellen in den USA normalerweise immer erst kurzfristig im März vergeben werden. Griessenauers Freude damals war entsprechend groß: „Dass es mir als Ausländer in einem selbst für amerikanische Medizinstudenten sehr kompetitiven Fach wie Neurochirurgie gelungen ist, einen so guten Eindruck zu hinterlassen, macht mich natürlich schon ein bisschen stolz.“ Doch die kommenden Jahre sollten kein Klax für Griessenauer werden.

80-Stunden-Woche
„Der Start der Facharztausbildung war nicht einfach. Man hat keine Vorlaufzeit und die Ausbildung fängt mit full force an“, erzählt der heute 34-Jährige. „Mit voller Kraft“ bedeutet konkret eine anstrengende und überaus fordernde 80-Stunden-Woche, und das bei lediglich vier freien Tagen pro Monat. Zudem wären einige seiner „Attendings“ (dabei handelt es sich um Ober- oder Fachärzte, diese Unterscheidung gibt es in den USA nicht) dem Österreicher anfangs durchaus „etwas skeptisch“ begegnet. Immerhin war Griessenauer in seinem Department zu diesem Zeitpunkt der einzige Ausländer gewesen. Doch der Salzburger weiß zu überzeugen: „Das alles hat sich aber relativ schnell gelegt.“ Im Juni 2015 schließt Christoph Griessenauer schließlich seine Neurochirurgie-Facharztausbildung an der University of Alabama in Birmingham ab. What’s next?

Von den Besten lernen
Griessenauer: „In den USA ist es üblich, ein Fellowship zu absolvieren, falls man im akademischen Umfeld bleiben und nicht in die Privatpraxis wechseln will.“ Und wieder stehen dem Absolventen der Paracelsus Universität, der sich vor allem für zerebrovaskuläre (also die Blutgefäße des Gehirns betreffende) Neurochirurgie interessiert, alle Türen offen. Seine Wahl fällt auf das Beth Israel Deaconess Medical Center (BIDMC) in Boston, Massachusetts. Als Lehrkrankenhaus der weltberühmten Harvard Medical School gilt das am Campus gelegene BIDMC als eine der renommiertesten Kliniken der USA. Der Hauptgrund: „Ich habe mich für Beth Israel entschieden, weil dort Christopher Ogilvy – einer der erfahrensten zerebrovaskulären Neurochirurgen der USA – und sein jüngerer Partner Ajith Thomas arbeiten.“ Nachsatz: „Außerdem waren Boston als Stadt sowie die Zugehörigkeit zur Harvard University für mich interessant.“ Die beiden genannten BIDMC-Spezialisten betreiben sowohl offene als auch endovaskuläre (das Gefäßinnere betreffende) Neurochirurgie, die beide jeweils im Fokus der Clinical Fellowship Griessenauers stehen. Bis 2017 hatte der Österreicher noch die Chance, von den erfahrenen Experten zu lernen. Danach wechselte er in das Department of Neurosurgery von Geisinger Health System, ein von Ärzten geführtes Gesundheitssystem mit Hauptsitz in Danville, Pennsylvania. Neben seiner klinischen Tätigkeit ist Griessenauer auch noch in der Forschung tätig, mit respektablen Publikationslisten versteht sich

Irgendwann zurück
In seiner Freizeit verreist er leidenschaftlich gerne, auch nach Europa. Übrigens: Der Paracelsus-Alumnus hofft, „längerfristig wieder in die Heimat zurückkehren“ zu können. Und für seine Nachfolgerinnen und Nachfolger an seiner Alma Mater hat Christoph Griessenauer auch noch einen abschließenden Tipp parat: „Finde eine Fachrichtung und einen Job, in dem Du nie auf die Uhr schaust. Einen, in dem Du Dich am Ende des Tages fragst, wie die Zeit so schnell vergehen konnte.“